Eingewöhnung

Liebe Familien,

bald ist es soweit:

Ihr Kind kommt zu uns in die Kinderwelt.
Für viele von Ihnen ist es das erste Mal, dass längere Zeit nicht Sie selbst für Ihr Kind da sind, sondern fremde Personen. Mit diesem Leitfaden hoffen wir, einige Fragen rund um den Start in den neuen „Lebensabschnitt“ beantworten zu können und Ihnen die erste Zeit  zu erleichtern.

Ihr Team der Kinderwelt Waldaschaff

 

Sich langsam entfernen
Wir sind in einem seltsamen, riesigen Raum. Nach allen Richtungen ist Mami die einzige vertraute Insel. Sie kenne ich in- und auswendig, aber das, was um uns herum ist, möchte ich gerne erkunden. So umkreise ich ihre äußersten Klippen. Ohne hinzusehen, bleibe ich mit ihr in Kontakt durch die Berührung, den Geruch, die Erinnerung. Ich folge ihren Umrissen, um aus verschiedenen Winkeln nach außen zu sehen. Das Außen ruft mich sanft drängend von ihr fort. Noch bleibe ich jedoch an ihren Küsten und lasse vor meinem inneren Auge eine Landkarte entstehen, darin ist sie der sichere Hafen  mitten im Zentrum. Das Außen zieht mich immer stärker an …
                                                                                         (Daniel N. Stern – Babyforscher und Schriftsteller)

 

Wir versuchen nach und nach immer mehr Kontakt zu Ihrem Kind aufzunehmen. Wir möchten ihm Spielpartner sein, seine Entwicklung begleiten und fördern und es soll Vertrauen zu uns bekommen. Dieser Prozess braucht Zeit. Wie lange es dauert, bis das Kind den Kontakt zu uns zulässt ist individuell sehr verschieden. Sie bleiben auf jeden Fall so lange mit Ihrem Kind zusammen, bis Ihr Kind den Kontakt zu uns sicher zulässt. Erst wenn dies möglich ist, vereinbaren wir einen ersten Abschied.

Auch hier gilt:
Das Tempo und die individuellen Schritte innerhalb der Eingewöhnungsphase entscheidet nur Ihr Kind.

Bleiben Sie am Anfang in der Nähe Ihres Kindes. Ihr Kind kennt Sie fast ebenso gut wie Sie Ihr Kind. Genau dadurch geben Sie ihm Sicherheit. Es weiß, wenn Sie in der Nähe sind kann ihm nichts geschehen. Ihr Kind soll spüren, dass Sie auch in der ungewohnten Umgebung immer noch für es da sind. Es bekommt durch die Nähe zu Ihnen das Gefühl der Vertrautheit. Mit dieser Sicherheit wird es sich immer mehr weiter in seine neue Umgebung hervorwagen. Aber verhalten Sie sich in der Eingewöhnungszeit möglichst passiv. Versuchen Sie nicht mit Ihrem Kind zu spielen. Es soll auch spüren, dass es hier keinen Spielpartner in Ihnen findet. So wird es langweilig bei Papa oder Mama zu bleiben: Ihr Kind will auf Entdeckungstour gehen und wagt die ersten neugierigen Blicke in die neue Umgebung. Bleiben Sie an einem festen Platz im Raum. Von hier aus kann das Kind auf Entdeckungsreise gehen – aber sich auch immer wieder  nach  Ihnen  umsehen  oder  zu  Ihnen  zurückkommen, wenn es Rückhalt sucht, ganz wie es möchte. Folgen Sie ihrem Kind nach Möglichkeit nicht. Das Kind soll mit seiner Entscheidung das Tempo der Eingewöhnung vorgeben. Besonders wichtig ist diese Zuverlässigkeit für den ersten Abschied. Verabschieden Sie sich kurz und klar von Ihrem Kind. Schleichen Sie sich nicht heimlich davon. Ihr Kind soll wis-
sen, dass Sie sich für einige Zeit entfernen. Auch wenn Ihr Kind jetzt zu weinen beginnt. Gehen Sie kurz aus dem Raum. Es ist wichtig, dass Ihr Kind Sie nicht mehr sehen kann. Wir versuchen jetzt es zu beruhigen. Gelingt dies, bleiben Sie einige Zeit (zunächst ca. 15 – 30 Minuten) außer Sichtweite. Lässt Ihr Kind keinen Kontakt zur Erzieherin zu und beruhigt sich nicht, kommen Sie nach wenigen Minuten zurück. Begrüßen Sie Ihr Kind, aber überlassen Sie auch jetzt wieder ihm die Entscheidung, wie viel Nähe es braucht.

Dass sich Eltern, Erzieher und Kind richtig verstehen ist Grundlage für unsere gute Beziehung. Bitte helfen Sie uns dabei – gerade in den ersten Wochen. Denn für uns ist jetzt alles genau so neu wie für Sie und Ihr Kind. Wir kennen all die kleinen Regungen und Zeichen Ihres Kindes noch nicht und müssen erst lernen sie richtig zu deuten. Wir wissen noch nichts über Ihre individuellen Bedürfnisse und Rituale in der Familie …
Auch das ist ein wichtiges Ziel der Eingewöhnung. In dieser Phase konzentrieren wir uns ganz darauf einander kennen zu lernen. Erzählen Sie uns von Ihrem Kind: Was es gerne mag oder ganz schrecklich findet, womit Sie es beruhigen können und was sein Interesse weckt, was es schon gut kann oder was ihm schwer fällt …
Teilen Sie uns beim Bringen auch später immer kurz mit, wie der Tag für Ihr Kind begonnen hat:
•  Hat Ihr Kind gut geschlafen?
•  Ist das Kind noch müde?
•  Hatte es vergangene Nacht Ohrenschmerzen oder bekommt es Zähne?
• Gab es zuhause vielleicht gerade etwas Besonderes …
So können wir uns besser in Ihr Kind einfühlen, es verstehen und sanft an seine Situation anknüpfen.
Kommen Sie wenn möglich so rechtzeitig zum Abholen, dass auch wir Ihnen noch kurz mitteilen können wie Ihr Kind den Tag bei uns verbracht hat. Vielleicht hat Ihr Kind ein neues Spiel entdeckt oder einen neuen Spielpartner gefunden. Manchmal gab es vielleicht auch Streit oder Tränen oder, oder, oder.

Der regelmäßige Austausch ist uns besonders wichtig. Wir sehen das als Basis für eine gute Erziehungspartnerschaft.
Deshalb:  sprechen  Sie  uns  bitte  auch  bei  Schwierigkeiten  direkt und  zeitnah  an  –  das  hilft  Missverständnissen  vorzubeugen und wir können einen gemeinsamen Weg finden.

Sie als Eltern kennen Ihr Kind am allerbesten. Sie kennen seine ganz individuellen Besonderheiten und wissen auch die kleinsten Zeichen zu deuten.

Während der Eingewöhnung sind Sie immer ganz in der Nähe Ihres Kindes. Sie erleben, ob es sich hier wohl fühlt und wie es sich nach und nach in seiner neuen Umgebung orientiert. Sie entscheiden, ob Sie uns Ihr Kind anvertrauen und wann der richtige Zeitpunkt für einen ersten Abschied gekommen ist.

   
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